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Kurzgeschichte • 10 Minuten zu lesen

Zwillingsdämmerung

Von Matthew Dunn

Die vertraute Sonne dieser Welt hält sich noch immer hinter dem Horizont verborgen. Rohe, unbearbeitete Erde erstreckt sich unter mir. Die Berge biegen sich zu Barrieren, die sich Fingern gleich über leere Länder mit sporadischen Büschen strecken. Paläste oder besser gesagt, was man als Paläste bezeichnen könnte, überragen nichts weiter als gedrungene Hügel. Die Krümmung des Planeten trifft mit einer Anmut und Klarheit auf die Sterne, die die wenigsten seiner Bewohner jemals zu Gesicht bekommen werden. Sie sind über die ganze Welt verteilt und tappen so vollkommen im Dunkeln, dass es niemanden überrascht, dass man sie erobert hat und sie ihre missliche Lage noch nicht einmal begreifen.


Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vertraute Sonne dieser Welt hält sich noch immer hinter dem Horizont verborgen. Rohe, unbearbeitete Erde erstreckt sich unter mir. Die Berge biegen sich zu Barrieren, die sich Fingern gleich über leere Länder mit sporadischen Büschen strecken. Paläste oder besser gesagt, was man als Paläste bezeichnen könnte, überragen nichts weiter als gedrungene Hügel. Die Krümmung des Planeten trifft mit einer Anmut und Klarheit auf die Sterne, die die wenigsten seiner Bewohner jemals zu Gesicht bekommen werden. Sie sind über die ganze Welt verteilt und tappen so vollkommen im Dunkeln, dass es niemanden überrascht, dass man sie erobert hat und sie ihre missliche Lage noch nicht einmal begreifen.

Der feurige Schein, der mich umgibt, während ich mich meinem Ziel nähere nähere, erleuchtet die Erde unter mir. Grüppchen aus sich bekriegendem, ängstlichem und jubelndem Leben drängen sich in alle fruchtbaren Ecken und Winkel, die sie finden können. Oh, wie sie schauen und deuten, wenn ich über ihre Köpfe hinweg ziehe. Ich habe die Namen gehört, die sie mir geben: Prophet, Komet, Monster, Gott, Dämon … So viele Namen und alle liegen sie falsch.

In einem weiten Strich Wüste kann ich das Stechen von vertrauter Magie spüren, die vom Sitz der ältesten Zivilisation dieser Wilden aufsteigt. Sieh mal einer an, da wird eine massive Sonnenscheibe Sonnenscheibe gebaut. Die bemitleidenswerten Sklavenarbeiter schlagen sich auf die Köpfe und zerren an ihrer Kleidung, als ich vorbeiziehe. Ihre grausamen Meister sehen mich, einen Feuerball mit langem Schweif, zweifelsohne als gutes Omen an. Mein Vorüberziehen werden sie mit ihren ordinären Piktogrammen in gemeinen Stein ritzen, eine Hommage an den großartigen Kometen, den Segen des Himmelsgottes, der ihr heiliges Werk beehrt und so weiter und so fort. Die Scheibe erfüllt nur einen einzigen Sinn und Zweck, nämlich die majestätische Kraft der Sonne in die „renommiertesten“ dieser fleischigen Hominiden zu leiten und sie genau zu dem zu machen, was diesem Planet gefehlt hat: noch mehr unerträgliche Halbgötter. Ihre Anstrengungen werden zweifellos nach hinten losgehen. Aber ich denke, dass sie eine kurze Weile durchhalten könnten, vielleicht ein Jahrtausend, bevor sie untergehen und andere ihren Platz einnehmen.

Die Nacht ist mir auf den Fersen und verschluckt die Wüste unter mir, während ich über einsame Steppen gleite, dann über sanft geschwungene, braune Hügel, auf denen sich dann und wann etwas Grünes abzeichnet. Das Weideidyll täuscht nicht über das Feld voller Blut, toter und sterbender Menschen hinweg. Überlebende hacken mit grobgehauenen Äxten aufeinander ein und brüllen sich an. Die eine Seite ist eindeutig unterlegen. Piken mit den Schädeln von Hirschen stecken im Boden, daneben winden sich Krieger. Soldaten auf struppigen Bestien umkreisen die wenigen, die noch auf den Beinen sind.

Als die Umzingelten mich sehen, scheinen sie neuen Mut zu schöpfen. Die Verwundeten erheben sich, packen ihre Äxte und Bögen und stellen sich ihren überraschten Gegnern mit neuer Stärke entgegen. Ich verweile nicht, um dem Rest des Scharmützels beizuwohnen, weil ich dieses Szenario schon Tausende Male mitverfolgt habe: Die Überlebenden werden meine Kometengestalt an ihre Höhlenwände pinseln. Tausend Jahre später lassen ihre Nachkommen mein Bildnis auf ihren Bannern flattern und ziehen höchstwahrscheinlich in einen ähnlich öden Kampf. Sie strengen sich zwar an, die Geschichte festzuhalten und aufzuzeichnen, doch scheinen sie nie aus ihren Fehlern zu lernen. Diese Lektion musste sogar ich am eigenen Körper erfahren.

Ich überlasse sie ihrem trostlosen Kreislauf.

Auf meinem Weg stoße ich auf weitere Bewohner. Ihr gesammeltes Repertoire an Ehrerbietung hält keinerlei Überraschungen bereit: Sie deuten auf mich, knien nieder und opfern Jungfrauen auf Steinaltären. Sie sehen auf, erblicken einen Kometen und kommen gar nicht auf die Idee zu fragen, was sich hinter der Fassade befindet. Stattdessen klatschen sie ihn auf ihre eigene selbstbezogene Weltsicht und beschmutzen damit die Herrlichkeit meines Antlitzes. Die wenigen fortgeschrittenen Lebensformen – und ich verwende diesen Begriff sehr großzügig – beobachten mich und kritzeln meine Koordinaten in wissenschaftliche Almanache, anstatt mich als Futter für Prophezeiungen zu missbrauchen. Das ist ganz erfrischend, doch selbst ihr erster Anflug von Intelligenz scheint zu implizieren, dass ich ein regelmäßig auftretendes Phänomen bin, das eine vorhersehbare Umlaufbahn hat. Oh, die Taten, die sie vollbringen könnten, wenn sie doch nur … Nun denn, es hat keinen Sinn, sich mit dem vergeudeten Potenzial der einfachgestrickten Kinder der Erde zu belasten. Es ist nicht ganz allein ihre Schuld. Die Evolution scheint sich schwer zu tun, auf dieser Welt Fuß zu fassen.

Die Neuheit solch kindischer Possen hat sich mittlerweile abgenutzt. Die Energien meiner magischen Ketten, die ewig nach mir greifen, haben mich jahrhundertelang von einer armseligen Welt zur nächsten geschleift. Jetzt haben sie mich auf diesen vertrauten und unangenehmen Felsbrocken zurückgeführt. Der Stern, der seine Oberfläche mit Licht flutet, ist eine meiner frühesten Kreationen, ein Zusammenfluss strahlender Liebe. Ah, dieser wundervolle Augenblick, als er mit einer Farbenpracht ins Leben explodierte, die nur sein Schöpfer bestaunen konnte. Wie sehr ich das warme Knistern der neuen Energie eines Sterns auf meinem Gesicht und zwischen meinen Fingern vermisse. Jeder Stern gibt eine einzigartige Energie ab, die unschätzbar wertvoll ist und die Seele seines Schöpfers widerspiegelt. Sie sind kosmische Schneeflocken, die der unendlichen Dunkelheit zum Trotz erglühen.

Leider sind die Erinnerungen, in denen ich schwelgen möchte, mit Verrat befleckt. Ja, dies ist der Ort, an dem Targon mich unter sein Joch lockte. Doch jetzt ist nicht die Zeit, sich mit den Fehlern vergangener Tage aufzuhalten. Diese rückständigen Aspekte verlangen von mir, einen weiteren Riss zu versiegeln … in ihrem Namen natürlich.

Und dann sehe ich sie. Die berührte Kriegerin dieser Welt steht alleine auf dem Gipfel einer der kleineren Berge und reckt einen sternenbeschienenen Speer sternenbeschienenen Speer in die Höhe. Sie beobachtet mich durch einen Schleier aus annektiertem Fleisch hindurch, ein kleiner Funke, der sich als Gewitter ausgibt. Ein dicker Zopf aus kastanienbraunem Haar liegt auf ihrer Schulter und fällt über eine goldene Brustplatte hinab, die ihre bleiche, mit Sommersprossen überzogene Haut bedeckt. Ihre Augen, der einzige Teil ihres Gesichtes, das nicht hinter einem abgenutzten Helm verborgen liegt, blitzen in jähem Rot auf.

Sie nennt sich Pantheon – die fleischgewordene Kampfeswut Targons. Sie ist nicht die Erste dieser Welt, die Pantheons Mantel trägt. Noch wird sie die Letzte sein.

Ihr funkelnder Umhang flattert hinter ihr, als sie ihren muskulösen Arm erhebt und eine Bewegung vollführt, als würde sie an einer großen Kette ziehen. Ihr Reißen an meiner plumpen, magischen Leine bringt mich vom Kurs ab und näher an den Berg heran, auf dem sie steht. Sie schreit mich an.

Ihre Stimme hallt in meinem Kopf wieder, diese unerträgliche Sternjuwelenkrone überträgt sie direkt in meinen Geist. Alle weiteren Geräusche werden ausgeblendet, als sie in meine Gedanken eindringt.

„Drache!“, ruft sie, als wäre ich ein schwachflügeliges Gewürm von oranger Flamme, das nur mit ein bisschen Glück einen Baum entzünden könnte.

„Versiegle ihr Tor!“, befiehlt sie und deutet mit ihrem spitzen kleinen Speer auf den Grund einer Felsspalte. Ich muss die in violetten Farben wirbelnde Verzerrung der Realität nicht einmal sehen. Ich konnte den eitrigen Gestank, der diese Welt vergiftet, bereits vor meiner Ankunft riechen. Ich richte meinen Blick stattdessen auf Pantheon. Sie erwartet von mir zu gehorchen wie ein Hund an seiner Leine. Heute wird jedoch alles anders, denn ich habe aus meinen früheren Fehlern gelernt.

„Drache“, brumme ich. „Bist du sicher, dass du mich mit so einem niederen Namen ansprechen solltest?“

Pantheon lockert eine Sekunde lang den Griff um ihren Speer und ihre Finger schließen sich ungeschickt wieder um das Holz. Sie tritt einen Schritt von mir zurück, als könnte dieser lächerliche Abstand sie vor meinem Zorn schützen.

„Versiegle ihr Tor“, wiederholt sie lauter, für den Fall, dass mir ihr erster Befehl entgangen ist. Die Lautstärke kann das Zittern ihrer Stimme nicht verheimlichen. Sie stößt ihren Speer in meine Richtung, als könnte eine solch winzige Waffe mich durchbohren.

Das ist das erste Mal, dass ich einen Aspekt von Targon erschüttert erlebe. Sie ist es nicht gewohnt, mir Dinge zweimal sagen zu müssen.

„Ich werde mich um diese kreischenden Schrecken zu gegebener Zeit kümmern, meine liebe Pantheon.“

„Tu wie dir befohlen wurde, Drache“, ruft diese Pantheon, „sonst ist diese Welt verloren.“

„Diese Welt war in dem Augenblick verloren, als Targon sich seinem Hochmut hingab.“

Ich kann fühlen, wie sich Verwirrung in Pantheons kochende Wut schleicht, während sie versucht, meine immateriellen Zügel festzuhalten. Sie bemerkt jetzt erst, was ich bereits vor ihr wusste. Targon ist abgelenkt und spürt nicht, wie seine Magie langsam aus meinen Ketten sickert.

Pantheon bellt mich ein weiteres Mal an und dieses Mal kann ich nicht widerstehen. Die unbeholfene Verzauberung gewinnt wieder die Kontrolle über meinen Willen. Ich richte meine Aufmerksamkeit auf den Riss, der sich im Becken des einst grünen Tals befindet, das jetzt von kriechenden, übelriechenden lila Schwaden erstickt wird. Ich kann die verdrehten Kinder der Leere fühlen, wie sie ihre Tunnel durch das Firmament der Realität graben und Wellen unsichtbarer Energie durch den Äther schicken. Ihr ungern gesehener Durchgang zerrt an dem Schleier, der Nichts und Form voneinander trennt.

Ich ziehe sie an, diese schaligen, vieläugigen Abscheulichkeiten. Sie suchen mich, ihre größte Bedrohung, zu verschlingen. Ich beschwöre aus den weiten Hallen meiner Erinnerung ein Bild von den Sonnenfeuern, die ich vor meiner Gefangenschaft entzündet habe und die einst die Herzen von Sternen entfachten. Ich schleudere Strahlen Strahlen aus reinem Sternenfeuer und verbrenne Welle um Welle dieser knirschenden Schrecken, bis ich sie in ihre undurchsichtige Unendlichkeit zurückgedrängt habe. Schwelende Hüllen regnen vom Himmel. Ich bin etwas überrascht, dass sie sich nicht vollständig aufgelöst haben, doch die Kinder der Leere wissen nicht so ganz, wie die Dinge in diesem Universum vonstattengehen.

Eine pulsierende, kränkliche Atmosphäre liegt in der Luft. Aus dem Epizentrum der Korruption dringt ein Wille … hungrig und unzähmbar, ganz anders als die typische Stumpfsinnigkeit, die ich von diesen scheußlichen Kindern der Leere gewohnt bin. Die pulsierende Wunde der Realität dehnt sich und faltet sich, während sie alles verdreht und verzerrt, das sie berührt. Was auch immer auf der anderen Seite existiert, lacht.

Pantheon ruft mir noch einen Befehl zu, doch ich ignoriere ihre Worte. Dieser anomale Spalt im Universum fasziniert mich. Es ist nicht der erste seiner Art, mit dem ich mich auseinandersetzen musste, doch dieser hier fühlt sich anders an. Ich kann nicht anders, als diese wunderbar schreckliche Manipulation der Barriere zwischen den Welten zu bewundern. Die wenigsten Wesen können seine Komplexität begreifen, ganz zu schweigen von der unglaublichen Macht, die nötig wäre, den Stoff der Existenz zu zerreißen. In meinem Herzen weiß ich, dass eine solch exquisite Wunde niemals von Krabbeltierchen hätte verursacht werden können. Nein. Hinter diesem Eindringen muss mehr stecken. Ich erschauere bei dem Gedanken an die Art von Wesen, die fähig wäre, einen so unberechenbaren Riss zu schaffen. Ich brauche Pantheons geknurrte Befehle nicht, um zu wissen, was ich zu tun habe. Ihr Spektrum an Weisungen zeugte schon immer von einer gewissen Fantasielosigkeit. Sie möchte, dass ich einen Stern auf den Spalt fallen lasse, als könnte man solch schwelende, interdimensionale Abschürfungen einfach kauterisieren und die Sache als erledigt betrachten.

Und diese begriffsstutzigen Halbgötter sind meine Herren?

So sei es. Zumindest liegen sie mit ihrer „Logik“ nicht so weit daneben, dass ein paar sengende kosmische Wunder dieses Problem beheben können. Ich werde die Rolle des ergebenen Dieners noch ein Weilchen länger spielen.

Was als Nächstes kommt, genieße ich, teils, weil sie sich daran erinnern werden, teils, weil es sich gut anfühlt, ein bisschen der alten Macht freizulassen. Doch vor allem, weil ich dieser wie auch immer gearteten Intelligenz, die den Einfall der Leere kontrolliert, klarmachen werde, dass niemand in meiner Existenzebene über mich lacht.

Die Grundelemente der Atmosphäre schließen sich meiner Sache an und bilden eine plasmaartige Anomalie. Der schwellende Sternenstaub explodiert auf meinen stummen Befehl hin. Das Ergebnis ist ein Miniaturmodell Miniaturmodell einer meiner majestätischen Glanzleistungen, die in den Tiefen des Weltalls glüht. Trotz allem kann ich keinen ausgewachsenen Stern auf diese fragile Welt schleudern.

Der funkelnde Glanz des jungen Sterns fliegt aus meinen Händen. Zwei Brüder, die immer an meiner Seite sind, schließen sich ihm an. Sie rasen rasen in einem strahlenden Ballett um mich herum, ihre glühend weißen Kerne verschlingen die Wolken aus Staub und Masse, die ich zu uns heranziehe. Wir werden zu einem Sturm aus Sternen, der fleischgewordene Nachthimmel, ein schwindelerregender Wirbel aus Sternenfeuer. Ich beschwöre Strudel aus sengendem Sternenstaub, die eine so reine und dichte Hitze ausstrahlen, dass sie die Aura dieser Welt ein klitzekleines Bisschen zusammenbrechen lässt und die Krümmung des Planeten für immer beschädigt. Funkelnde Säulen aus Sternenfeuer drehen im Zentrum des Spaltes Pirouetten. Die Schwerkraft schmilzt in wogenden Farbwellen, die den meisten Augen für immer verborgen bleiben werden. Meine Sterne verformen verformen ihre Masse, als mehr Brennstoff in ihren Kernen zusammenkommt und sie noch heller glühen, noch heißer brennen. Das ganze Spektakel ist atemberaubend, ein blendender Tanz aus Lichtkaskaden und sengender Hitze, die so heiß ist, dass für einen kurzen Augenblick neue Lichter geboren werden. Mein Rücken kribbelt ein bisschen, so gut fühlt es sich an.

Bäume zersplittern. Flüsse verdampfen. Die Bergwände des Tals bröckeln in qualmenden Lawinen ab. Die unermüdlichen Arbeiter, die ihre Sonnenscheibe errichten, die Soldaten, die den Hügel erstürmen, Sternengucker, die Betenden, die Erschrockenen, die Unheilverkünder, die Hoffnungslosen, die aufstrebenden Könige … alle diejenigen, die den Kometen und seinen prächtigen Schweif mit selbstsüchtigen Augen verfolgt haben, erleben die folgende Supernova als eine frühe Dämmerung. Überall auf diesem erbärmlichen Planeten macht meine Herrlichkeit die Nacht zum Tag. Welche Geschichten sie wohl erfinden werden, um dieses Phänomen zu erklären?

Selbst meine targonischen Meister werden nur sehr selten Zeuge solcher Macht. Bestimmt hat keine irdische Welt jemals so schwere Narben davongetragen wie die Überreste des einst so grünen Tals. Als ich fertig bin, ist nichts mehr übrig.

Nicht einmal diese Inkarnation Pantheons. Ich kann nicht behaupten, dass ich sie oder ihr stumpfsinniges Geknurre vermissen werde.

In den glühenden Nachwehen meines Gemetzels kollabiert der schwelende Berg in Strömen aus geschmolzenem Geröll, die jetzt durch das Tal ziehen. Dies ist die Narbe, mit der ich diese Welt versehen habe. Ein bohrender Schmerz geht von der höllischen Krone aus und durchzuckt meinen Körper. Das werde ich bezahlen.

Mein Kopf wird nach oben gerissen und meine Augen müssen den Tod eines Sternes mitverfolgen. Meine Herzen verschließen sich. Meine Sinne schwirren. Ein überwältigendes Gefühl von Hoffnungslosigkeit, das von tiefer und unmittelbarer Trauer genährt wird, fährt durch meine Seele. Es ist die pulsierende Erkenntnis, dass man etwas verloren hat und ganz alleine die Schuld trägt.

Einige neugierige Lebensformen, die ich vor langer Zeit einmal getroffen habe, wollten erfahren, wie es möglich sein kann, dass ich mich an jeden einzelnen Stern erinnere. Wenn sie doch nur fühlen könnten, wie es ist, einen einzigen Stern zu erschaffen, würden sie verstehen, wie irrelevant diese Frage ist. Und deshalb weiß ich, wenn auch nur einer meiner Lieblinge sein Leben aushaucht und seine Energie, und damit auch die Substanz meiner eigenen Seele, heraussprudelt. Ich höre ihre Totenglocken oben im Himmel läuten. Er leuchtet ein letztes Mal hell auf und taucht seine Brüder und Schwestern in einen sengenden Pyroklasmus. Mein Herz zerbricht, als der Himmel einen der Seinen verliert als Rache dafür, dass ich meine Macht gegen einen Targonier gerichtet habe.

Eine Sonne wiegt einen einzigen Pantheon auf. Das ist der Preis meines entfesselten Zorns. Das ist der niveaulose Zauber, mit dem ich mich arrangieren muss.

Innerhalb von Sekundenbruchteilen haben sie meine Zügel wieder an sich gerissen und geben mir einen neuen Befehl. Auf keiner anderen Welt habe ich meine Freiheit derart zur Schau gestellt, ganz egal wie flüchtig. Und was noch viel wichtiger ist, ich habe aus ihren Fehlern gelernt. Ein Teil von mir ist jetzt frei und zu gegebener Zeit werde ich zu dieser Welt zurückkehren, aus dieser mysteriösen Energiequelle schöpfen und die verbleibenden Fesseln abwerfen.

Ich stimme mich auf die Essenz des Krieges ein, die sich in fleischigen Gefäßen überall im Kosmos dreht und windet. Sie ist nicht glücklich darüber, ihren sterblichen Vertreter in dieser Welt verloren zu haben. Ein neuer, dem Untergang geweihter Wirt ist bereits ausgewählt worden, sich in den nächsten Pantheon zu verwandeln – ein Soldat der Rakkor, einem Stamm, der am Fuße des Targon klebt und seine Macht absaugt wie Seepocken. Eines Tages werde ich auf diese neue Inkarnation Pantheons treffen. Vielleicht sucht er sich eine neue Waffe und lässt von diesem lächerlichen Speer ab. Ich kann Pantheons himmlische Geschwister spüren, die über den ganzen Kosmos verstreut sind. In einem einzigen Augenblick richtet sich ihre gesamte Aufmerksamkeit auf diese Welt, in der einer ihrer irdischen Aspekte von ihrer eigenen Waffe verdampft wurde. Ihre Verwirrung vermischt sich mit wachsender Verzweiflung, als sie untereinander darum rangeln, die Kontrolle über mich zurückzugewinnen. Wenn ich doch nur ihre Gesichter sehen könnte.

Als ich mich gegen die Schwerkraft von dieser Welt, diesem Runeterra, abstoße, spüre ich eine Emotion, die ich noch nie zuvor von Targon gespürt habe.

Furcht.

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