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Kurzgeschichte • 3 Minuten zu lesen

Der Käfig

Von Odin Austin Shafer

Dunkelheit.

Lore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dunkelheit.

Der Atem, der mir fehlt, plagt mich.

Eine gähnende Leere in meinen Lungen und meinem Hals. Als hätte ich während des Atmens innegehalten und dann meine Lungen grausam warten lassen. Mein Mund offen, die Kehle hohl und unfähig, Luft zu holen. Meine Brust … die schreckliche Spannung auf meinem Brustkorb.

Meine Glieder und Muskeln weigern sich, sich zu bewegen. Ich kann nicht atmen. Ich ersticke. Der Druck wird größer. Die Regungslosigkeit breitet sich auf meine Brust und Glieder aus. Ich möchte schreien, mein Gesicht zerreißen, weinen – aber ich bin gefangen. Ich kann mich nicht bewegen. Ich kann mich nicht bewegen.

Dunkelheit.

Ich muss mich erinnern. Ich muss mich erinn…

Die Schlacht. Ich habe die Kontrolle verloren. Welch Narr ich war. Die Sterblichen stellten sich gegen mich. Ich schnitt durch sie hindurch. Trank von ihnen. Die Versuchung war zu groß. Während ich sie dahinraffte, formte ich aus ihren Körpern ein besseres Abbild meiner wahren Gestalt. Verzweifelt verschlang ich mehr und mehr und hoffte, mich für einen kurzen Augenblick wieder zu fühlen wie früher. Stattdessen verbrannte ich zu schnell wie ein wildes Feuer und zerstörte sogar die Form meines Wirts.

Dunkelheit.

Es regnete, als wir kämpften. Was, wenn mich der Schlamm und der Schmutz bedecken? Was, wenn ich tausende Jahre unter der Erde begraben werde? Eingesperrt in diesem Gefängnis. Der Schrecken dieser Idee nährt meine Panik. Der Kampf endet. Ich kann es fühlen. Ich muss aufstehen. Ich muss … ich muss …

Ich habe keine Arme oder Beine. Die Dunkelheit bindet mich wie ein Kokon.

Nein. Ich zwinge mich, aufzustehen. Aber ich kann nicht wissen, ob es funktioniert. Ich sehe nur die Dunkelheit.

Bitte. Lass einen Sterblichen vorbeikommen, der mich findet. Bitte. Ich flehe die Dunkelheit endlos an, aber meine erniedrigenden Bitten werden nur mit Schweigen beantwortet.

Aber dann …

Ich fühle die Nähe eines Sterblichen. Ich habe keine Augen, keine Ohren, aber ich kann spüren, wie er näher kommt. Er flieht vor seinen Feinden. Er muss versuchen, sich zu verteidigen. Er muss mich packen.

Kann er mich sehen? Er könnte an mir vorbeilaufen und mich hier zurücklassen.

Ich spüre, wie seine Hand diese Form erfasst, und … und sein Bewusstsein öffnet sich mir!

Ich grabe mich in ihn hinein und ziehe ihn hinab. Ich bin wie ein Ertrinkender, der von einem Schiffswrack ins Meer geworfen wurde und sich über seine Kameraden hinweg an die Oberfläche krallt.

„Was passiert hier?!“, schreit der Sterbliche. Aber er wird durch die Dunkelheit zum Schweigen gebracht – der endlosen Dunkelheit, der ich soeben entflohen bin.

Und ich habe Augen.

Ich kann den fallenden Regen sehen. Den Dreck. Das Blut dieses Schlachtfelds. Vor mir stehen zwei erschöpfte Ritter mit Speeren. Ich strecke sie nieder und sauge ihre Formen auf, um diesen Körper nach meinen Bedürfnissen zu gestalten.

Sie sind schwach. Ich muss mich beeilen. Ich muss einen besseren Leib finden. Einen besseren Wirt. Um mich herum sind nur die Toten und Sterbenden. Ich höre, wie sich ihre Seelen aus dieser Welt zurückziehen.

Der Kampf ist noch nicht zu Ende. Er findet nun innerhalb der Stadtmauern statt. Ich zwinge meine neue Gestalt – hinkend, kriechend –, sich dem Kampflärm zu nähern. Einem besseren Wirt.

Ich brülle. Aber nicht triumphierend. Niemals triumphierend.

Ich werde aus dieser Stadt trinken, aber nur ein groteskes Abbild meines früheren Ruhms erlangen. Ich wurde von den Sternen und der Reinheit meines Aspekts geformt. Ich war formgewordenes Licht und Vernunft. Ich verteidigte diese Welt in den größten Schlachten, die sie je gesehen hat. Jetzt tropft Blut und Eiter von diesem gestohlenen Körper, während er zerfällt. Die Muskeln und Knochen kämpfen, reißen und protestieren gegen die Abscheulichkeit, die ich geworden bin.

Ich atme tief ein.

„Nein, Aatrox“, sage ich. Meine Stimme ist feucht und hallt von den Toten wider, die mich umgeben. „Wir werden weitergehen … und weiter … und weiter …“

Bis zur endgültigen Vernichtung.

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